Hirnriss des Tages: Tagesanzeiger

Unter der Überschrift “Was gegen Alcopops half, nützt auch gegen Juul” präsentiert uns der schweizer Tagesanzeiger den “Hirnriss des Tages”. Alexandra Kedves (Redaktion Kultur) gönnt uns einen Kommentar, der sich gepudert hat.
Natürlich geht’s um die Juul, die im Land der Eidgenossen aktuell für mehr Panik als ne Horde fleischfressender Wolpertinger sorgt… die ganz fiese Sorte, mit Geweih. Die “Kampfgruppen” von an der Juul verzweifelten Eltern, die sich in den USA formiert haben,… das Bild geht nicht mehr aus meinem Kopf… lass ich mal peripher abgleiten und komme gleich zum ersten richtigen Highlight des Artikels:

Marktführer dabei ist die Firma Juul, die ihre liquiden Nikotinbomben aromatisiert – ähnlich den Alcopops.

Ja leckmirschinski: Bomben. Auch noch “Nikotinbomben”, sind die nicht nach der Genfer Konvention verboten? So Chemiewaffe und so?! Und dann auch noch aromatisiert. Was für fiese Möpp, diese Juul-Bande, packen einfach leckerschmecker Zeug in ihre Nebelsuppe. Die sollten sich was schämen, machen die anderen ja auch nicht… öhm… also… Wo war ich? Egal.
Für Frau Kedves ist also reines PG mit VG so was wie Schnaps, die dann durch Aroma zu nem Alcopop werden. Hauptsache “hochprozentig”. Nikotin ist der neue Alkohol.

Auch an hiesigen Schulen hat sich der Konsum des hochprozentigen Nikotins verbreitet,…

Oder doch das neue Koks?

Blitzschnell holt man sich auf dem Klo die Dröhnung aus der Kapsel.

Man weiß es nicht… (“Dröhnung aus der Kapsel”, den muss ich mir merken.) Aber wird noch geiler:

Für den Kick benötigt der Konsument immer öfter das nicht ganz billige Flüssignikotin.

Also ich steh ja viel mehr auf das Trockennikotin, zieh mir morgens immer erst mal ganz genüsslich ne Line. Flüssig ist für Langweiler!
Und die Kiddies brauchen also immer öfter das Zeug, so Heroin und so? Vielleicht bringt Juul ja bald auch Pods mit Injektionsnadeln raus, das ballert dann erst richtig. Obwohl, bei ner Juul soll’s ja auch so schon ordentlich knallen.

Der Stoff wird innert Sekunden vom Körper absorbiert und schadet besonders heranwachsenden Hirnen.

Nöpp und… öhm… nöpp. Beides absoluter Schwachsinn. Aber ist ja nur’n Kommentar, muss ja nix stimmen… nur Meinung. Klar, von einer Redakteurin, die vom Dampfen so viel Ahnung hat, wie’n Wattwurm vom Turmspringen. Aber Meinung darf jeder. Ist nur blöd, wenn die dann in so ner Zeitung rausgehauen werden darf.
Aber hey, ist’n ernstes Thema, kein Schabernack…

Und Eltern, die sich aufgelöst an Schulleitungen wenden, weil ihre Kinder unübersehbar Suchtsymptome zeigen, stossen meist auf ebenso hilflose Rektoren.

Meint die jetzt die erfundenen Storys aus den USA, oder hat sie sich das ganze schon für die Schweiz zusammengeträumt?
Was sind eigentlich “unübersehbare Suchtsymptome” bei der Juul? Viereckiger Mund?

Aber Juul macht ja in den USA schon was gegen die “Epidemie”… schließlich muss man die 1,5% der Kiddies retten, die da ab und zu mal an der Juul nuckeln. Gibt ja nix wichtigeres. Deshalb gibt’s Crème brulée und Mango nur noch online, mit Altersverifizierung. Mettbällebad!

In der Schweiz ist das nu nicht so ganz einfach, da dürfen die Kleinen “juulen” bis ihnen der Schädel platzt. Die Schweizer haben das mit der Gesetzgebung nämlich mal voll versemmelt. Da kriegt man schon mal Panik, weil… also… die Sprösslinge… denen wird allen… die haben dann… öhm…
Wer will schon Kinderchen mit viereckiger Futterluke?! Also echt jetzt.

Doch die Flüssignikotin-Dealer… sorry… E-Zigarettenhändler sind ja nicht so. Die haben ganz brav versprochen, keine Dampfen an Minderjährige zu verkaufen… selbst da, wo die sich in dem Alter schon den Qualm von ner Fluppe durch den Pneu ziehen dürfen.
Aber dass beruhigt die Frau Kedves gar nicht, denn…

Dass solche Stra­tegien nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sind, ist kein Staatsgeheimnis.

Nöpp, ist kein Staatsgeheimnis… der Atombombencode vom Bundesrat wär’n Staatsgeheimnis… also, wenn die Schweiz Atombomben hätte. Gibt’s überhaupt Militär im Alpenländle? Ach nee, die sind ja alle im Vatikan… oder so. Keine Ahnung. Wo war ich?

Jetzt könnt man auch mal dankbar sein, dass die ganzen Händler das überhaupt machen. Müssten sie schließlich nicht. Aber nein, die wollen ja alle nur die schweizer Jugend mit Flüssignikotin zu Juulzombies machen. Klaro.
Es gibt nur eins, was hilft… ach nee, zwei: Steuern und Verbote.

Bei den Alcopops senkte erst eine hohe Sondersteuer den gefährlichen Konsum unter Jugendlichen. Es wäre also wichtig, klare Signale zu setzen: Verbote und Steuern.

Ja, ja, die Alcopops. Und die Dampfe ist mindestens so schlimm. Gut, bis jetzt gibt’s noch nicht mal’n Fitzel an Beweis, dass Dampfen überhaupt irgendwie schädlich ist. Und “bejuult” brettert auch bestimmt keiner mit seiner Karre in den Gegenverkehr oder pennt vollgekotzt in der Pinkelrinne von ner Disco ein. Aber sonst ist das voll das gleiche, ehrlich!
Ist aber eh wurscht, ob’s jetzt echt irgendeinen Grund für den ganzen Scheiß gibt… wirklich, sollte man alles machen, weil…

Wieso auch nicht? Kein Teen braucht Juul.

Stimmt, nur Wasser und Brot macht Wangen rot. Weg mit allem, was die Teenies nicht brauchen, wurscht, ob’s ihnen schadet oder nicht.
Cola? Weg. Schokoriegel? Weg. Computerspiele? Weg. Handy? Weg. Dumme Kommentare von Redakteuren, die keine Ahnung haben? Weg.

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Zum Artikel: https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/was-gegen-alcopops-half-nuetzt-auch-gegen-juul/story/16834359

Artikel im Archiv: https://web.archive.org/web/20181124104232/https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/was-gegen-alcopops-half-nuetzt-auch-gegen-juul/story/16834359

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3 Antworten zu Hirnriss des Tages: Tagesanzeiger

  1. Tobias Schraner schrieb:

    Danke!

  2. Chris schrieb:

    Super kommentiert!

  3. Uwe schrieb:

    You made my day!

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