Das falsche Schlachtfeld

Da soll’s ja eine Epidemie geben in den Staaten. So’n ganz fettes Ding. Fast alle Kiddies nuckeln an Juuls und können ohne Nikotin nicht mehr leben, verticken sogar ihre Nikies, um sich den Stoff aus dem Pod zu besorgen. Jo… öhm…
So dröhnt es zumindest aus den Propagandatröten der FDA. Dass das alles absoluter Blödsinn ist, kümmert in den USA schon keinen mehr, der Krieg gegen den leckeren Nebel läuft auf Hochtouren. Da wird vor allem gegen die Aromen im Wolkentonikum geschossen und neuerdings steht sogar im Raum, dass man die Podsysteme generell verbieten will. Alles nur, um die Kiddies vor etwas zu schützen, was die eh nicht kaufen dürfen.

Zusammen mit der Juul schwappte diese Panikwelle jetzt über den Teich und allen bibbern die Knie, weil bei uns bald nur noch jugendliche Nikotinzombies durch die Straßen sabbern. Angelockt von Mango, Crème brûlée und Gummibärchengeschmack, werden Millionen von Halbstarken durch die leckere Wolke zu willenlosen Nikotinjunkies. Klare Sache.

Okay, das mit dem “abhängig von Nikotin” ist schon Kuhmist, es gibt nämlich null Belege dafür, dass Leutchen, die noch nie dem Mister Nik gefrönt haben, überhaupt von dem Zeug abhängig werden. Aber davon ab, gibt’s noch’n klitzekleinen Anker an der ganzen Geschichte: Jugendliche dürfen gar nicht dampfen. Die dürfen sich das Zeug noch nicht mal im Laden oder im Internetz krallen. Aber da komm ich gleich noch drauf.
Aktuell wird nämlich auch im Land der Brunhilde… oh mein Fagott, er hat es gesagt… über Aromen in Liquids gebrabbelt, denen unsere kleinen Kiddies hilflos verfallen könnten. Also ehrlich, muss denn ein Liquid für Erwachsene echt nach Gummibärchen oder Marshmallows schmecken? Und überhaupt, nicht nur die Aromen. Was sollen denn diese ganzen bunten Verpackungen, die mehr nach Kindergeburtstag als nach gepflegter, nebliger “Herrenrunde” aussehen? Und Akkuträger, die einen an Batmobil oder Spinnenmännchen erinnern? Ist doch alles Kinderkram. Warum macht man so was? Ist das echt in Ordnung? Ja.

Weil es Erwachsenenzeug ist!

Denn da kämen wir wieder drauf: Dampfen ist ab 18. Das ist zwar in meinen Augen Unsinn, aber nun mal aktuell Tatsache. Und das heißt, es ist vollkommen wurscht, wonach was aussieht oder schmeckt. Es ist oberlatte, ob das auch Kinder toll finden würden. Sie können es eh nicht kaufen. Zumindest, wenn das mit dem Jugendschutz funktioniert. Und das wär dann nämlich auch der Mops im Dackel.
Diese ganze Diskussion geht voll am Thema vorbei. Das Problem ist nicht das Leckerschmecker im Liquid oder lustig bunte Akkuträger, sondern ganz einfach, ob das mit dem Jugendschutz klappt.
Und mal ganz ehrlich, in se gudd old Bundesrepublik klappt das ziemlich supi. Klar, besser geht immer, aber so grundsätzlich haben wir das ganz gut drauf. Kennt doch jeder, der schon mal versucht hat, in seinem Dampfershop im Netz Watte zu kaufen. Erst mal den Perso rauskramen und brav die Zahlenkolonne eintippen, bevor da irgendwas geht. Und die nette unterbezahlte Fachkraft von DHL starrt dich nicht so an, weil sie dich gleich vernaschen will, sondern weil die dir dein Päckchen nur geben darf, wenn du schon mindestens 18 Lenze zählst.
Im Automaten gibt’s Dampferzeug eh noch nicht und im Dampfshop um die Ecke schmeißen sie dich meistens gleich wieder raus, wenn du noch keine Haare am Sack hast… oder an anderen Geschlechtsteilen.

Was soll also dieses ganze Gebrabbel, dass Verpackungen von Wolkensuppen bloß nicht zu kindisch daherkommen dürfen? Wenn’s nach fruchtigen Lutschbonbons schmeckt oder ner spritzigen Melone, dann darf man das der Verpackung auch ruhig ansehen. Oder wenn das lecker Liquid an Sachen aus der Kindheit erinnert… solange man nicht auf Markenrechte nen Haufen setzt, ist das voll in Ordnung. Auch Erwachsene sind Kinder… zumindest gewesen.
Mit der Verpackung muss ich den Nachwuchs nicht vorm leckeren Disconebel schützen, das macht schon Pappa Staat mit’m Gesetz.

Das mit der Selbstzensur ist Ziegenexkrement! Nur weil wir nicht wie Kinderverführer aussehen wollen? Weil wir Dampfer schön die Füße stillhalten müssen, damit uns die Berliner Rasselbande nicht drauf tritt? Aber die treten sowieso, egal, was wir machen.
Unser Wolkentonikum macht wahrscheinlich weniger Aua als “Nimm 2”, soll aber aussehen wie ne Flasche Schnaps.

Wobei… nee, nicht wie Schnaps. Bei Alkohol ist das alles ja ne ganz andere Sache. Da ist es voll knorke, wenn Wodka nach Erdbeeren, Wassermelone oder Nuss-Nougat schmeckt. Gin darf mit einer voll erwachsenen Marshmallownote daherkommen und ne 25er Packung kleiner Likörchenflaschen natürlich aussehen, als seien die der Stimmungsmacher für den nächsten Kindergeburtstag.
Das geht alles voll in Ordnung, ist schließlich Erwachsenenzeug. Und auf’m Kindergeburtstag gibt’s ja natürlich keinen Alkohol, nur Kindersekt und Kinderbowle… da können die kleinen schon mal “trocken” üben.

Jeder, der einen höheren IQ als das RTL-Vorabendprogramm hat, kapiert, dass Erwachsene auf Fruchtiges und Süßes stehen… nicht nur in der Mon Chéri Zeit. Für viele ist das jammi Brausebonbonliquid einfach auch wichtig, damit sie nicht mehr zum gerollten Blätterwerk greifen. Leckerschmecker gehört zum Dampfen wie Räder an’s Auto. Außerdem reden wir hier über was, das harmloser als Cola süppeln und mal heftig weniger schädlich als Alkohol ist, den die Kiddies sich sogar schon mit 14* in den Leib schütten dürfen.

Es wird Zeit, dass wir ernsthaft und sachlich darüber reden, ob das mit dem Jugendschutz bei leckerem Disconebel überhaupt Sinn macht. Bis es soweit ist, sollten wir uns nicht mehr von Ideologien verarschen lassen, sondern wieder das Ding auf dem Hals benutzen und wenigstens auf dem richtigen “Schlachtfeld” tanzen.

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* Nach §9 Absatz 2 des JuSchG ist es Jugendlichen (also ab 14) erlaubt, in Beisein eines Erziehungsberechtigten Bier, Wein oder Schaumwein zu kaufen und zu konsumieren.

Vapoon: Lasst die kleinen dampfen

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2 Antworten zu Das falsche Schlachtfeld

  1. Georg schrieb:

    Dem ist nichts hinzuzufügen (was ich in meiner leidenschaftlichen Inkonsequenz hiermit trotzdem mache). Bravo, ein sehr gelungener Artikel! In ihm sprichst du dich unmissverständlich gegen die Selbstkasteiung oder das Lieb-Kind-Machen einiger in der Dampferszene aus, die glauben, wenn sie sich ducken, werden sie von der Politik nicht gesehen. Das Anbiedern an die Macht durch gerade noch vertretbare Zugeständnisse, hat noch nie funktioniert und in keinem gesellschaftlichen Bereich, im Gegenteil, so hilft man kräftig dabei mit, sich selber bzw. das eigene Verhalten (Dampfen) abzuschaffen. Oder wie es die Redensart sagt: man schaufelt sein eigenes Grab.

    Als geradezu grotesk empfinde ich den Gedanken, etwas erwiesenermaßen Unschädliches den Jugendlichen zu verwehren, ihnen aber den Konsum anderer gesundheitsschädlicher Genussmittel zu erlauben. Gateway in den Alkohol durch Kinderbowle auf jedem Kindergeburtstag – und alle finden das normal.

    Jaja, ich weiß, es ist ein weites, weites Feld, das zu beackern, ganze Buchreihen füllen würde. Deshalb ist dein kurzer Artikel auch so gelungen: er sticht leicht in jeden Aspekt und reizt zum Kratzen bzw. zum Nach- und Weiterdenken.

  2. Stefan Taubert schrieb:

    ZITAT:”* Nach §9 Absatz 2 des JuSchG ist es Jugendlichen (also ab 14) erlaubt, in Beisein eines Erziehungsberechtigten Bier, Wein oder Schaumwein zu kaufen und zu konsumieren.”
    Gen-au-a!
    Und ab 16 darf das junge Gemüse denselben Stoff aus dem Paragraphen ganz alleine ohne Beisein & Wissen von Erziehungsberechtigten kaufen undzwar in unbeschränkter Menge und sie dürfen ihn sogar trinken.
    Prima Effekt – da der Alkoholgehalt vom Gesöff, dass zwischen 16 und 18 erwünscht ist, relativ gering ist, nimmt Väterchen Staat damit, wegen der notwendigen höheren Saufmenge für den Rausch, sogar mehr Kohle ein, als wenn sich der Racker mit seiner aktivblonden Schulfreundin ne Pulle Glenfiddich reinziehen würde.
    Der Effekt ist sogar doppelt gut – 2 Jahre erlaubte Gewöhnung an den Stoff bewirkt, dass das schicke Pärchen mit 18 dann nicht mehr mit einer Flasche Glenfiddich klarkommt, sondern dann zwei Pullen ranschaffen muss. Okay – muss ja nich gleich Glenfiddich sein – Four Roses oder Aldi-Vodka dröhnt auch.
    Jugendschutz klappt nicht beim Rauchen? Es werden doch täglich tausende von qualmenden Jugendlichen, denen man ihre 14 Lebensjahre ( auch ohne kontrolle der Schaambehaarung )ansieht, hoppsgenommen auf offener Strasse und ermittelt, von Wem sie den Stoff erhalten haben und die Betreffenden werden dann empfindlichen Strafen zugeführt……ach nee …..ich glaube, Sowas habe ich lediglich mal geträumt.
    Apropos Schambehaarung – daran sollte man es nicht mehr beurteilen, Entfernung Selbiger ist immernoch in Mode, auch bei Jugendlichen, die normalerweise Welche hätten.
    Aber mal wieder zurück zu dem Kraut, von dem es auch noch Wildwuchsformen gibt. Auch dabei schwant mir, dass eine zu starke Kontrolle gar nicht erwünscht ist – sonst würde doch Umsetzung ganz anders angegangen werden? WOW – seit es die Schockbildchen auf den Kippenschachteln gibt, hat ein merkliches Umdenken stattgefunden.Die Kippenschachteln landen nicht mehr wie in der Vor-Bild-Ära als Abfall im Rinnsteig, sondern werden fleissig gesammelt, um vollständige Bilderserien zu erhalten. Ja ich geb`s zu – ich bin als Jugendlicher auch auf Horrorbilder abgefahren, allerdings gab es die in meiner Jugend leider noch nicht auf Davidoff & Co. Da hat es die Jugend von Heute doch wesentlich besser, könnte fast neidisch werden. Blöde is, dass ich das Kraut nicht mehr brauch`. Naja – aber ab und zu finde ich auch noch ne Schachtel auffer Strasse und kann damit dann meine Sammlung vervollständigen. Hurrah – etwas weniger Müll auffer Strasse, zum Umweltschutz taugt die TPD schonmal.

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