Eine ziemlich dürftige “Langzeitstudie” wabert durch die Medien

Seit heute flattert durch den Blätterwald eine Langzeitstudie, die angeblich zeigen soll, dass Dampfer ein höheres Risiko haben, an COPD (Chronische obstruktive Lungenerkrankung) oder Bronchitis und Co. zu erkranken als Nichtraucher.

Gucken wir uns erst mal die Studie an. Von wem ist sie? Was wurde gemacht? Was kam dabei raus?

Federführend bei der Studie war Prof. Stanton Glantz, Direktor des „Center for Tobacco Control and Education“ an der Universität von Kalifornien, San Francisco. Auch, wenn er einen Lehrstuhl für Medizin inne hat, ist er tatsächlich lediglich Raumfahrtingenieur. In den Bereich Medizin „rutschte“ er, weil er in der Vergangenheit zu mathematischen Modellen der Herzfunktion geforscht hatte. Er ist schon seit langem ein entschiedener Gegner des Rauchens und hat sich in letzter Zeit mit gleicher Kraft dem Kampf gegen die gedampfte Wolke verschrieben. Dass ihm dabei jedes Mittel recht ist, zeigte er schon des öfteren. Zuletzt hatte er in einer Studie zum Thema Dampfen und Herzkreislauferkrankungen mal eben aus Korrelation eine Kausalität zaubern wollen. Also das Motto: Es schneit im Winter, weil im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen. Von vielen Kollegen wird er mittlerweile nur noch leidlich ernst genommen. Leider gilt das nicht für die Medien.

In der Studie selber wurden nicht wirklich Menschen untersucht. Es wurden lediglich öffentliche Daten aus dem „Population Assessment of Tobacco and Health“ (PATH) der „Nationalen Gesundheitsinstitute“ (National Institutes of Health – NIH) ausgewertet. Das sind, grob gesagt, Befragungen der Bevölkerung nach Rauch- bzw. Dampfverhalten und dem gesundheitlichen Zustand. In der Studie wurden Daten von 32.000 Menschen der Jahre 2013 bis 2016 ausgewertet. Von den Befragten waren 5,5% aktive Dampfer und 26% rauchten. Diese „Langzeit“ bestand also aus drei Jahren. Erst mal nicht unbedingt ein Problem, ginge prinzipiell als Langzeitstudie durch. Aber in diesem Zusammenhang ist das dann doch etwas „unglücklich“. Dazu gleich mehr.

Das Ergebnis der Studie, zumindest auf den ersten Blick, war, dass Dampfer ein 1,3fach höheres Risiko haben, an COPD, Asthma, Bronchitis oder Emphysemen zu erkranken als Nichtraucher. Bei Rauchern erhöht sich das Risiko um den Faktor 2,5. Interessant ist, dass Dualuser, also Leute, die sowohl rauchen als auch dampfen, laut dieser Studie anscheinend ein 3,3mal höheres Risiko haben zu erkranken.

Wichtig zu wissen ist jetzt, dass fast alle befragten Dampfer zuvor Raucher waren. Außerdem kann man davon ausgehen, dass diese Dampfer 2013 erst eine recht kurze Zeit der leckeren Wolke frönten. Es gab die E-Zigarette zu diesem Zeitpunkt schlicht noch nicht so lange. Das ist deshalb wichtig, weil uns diese Studie eigentlich nur eine Sache recht sicher zeigt: Wer vom Rauchen aufs Dampfen umsteigt, verringert sein Risiko für ernsthafte Lungenerkrankungen bereits nach drei Jahren um mindestens 80%.

Das war‘s auch schon. Der Rest ist Ignorieren epidemiologischer Grundlagen und unwissenschaftliches Rumgedeute. Denn mit dieser Studie gibt es mehrere Probleme.

Das größte Problem dürfte schon sein, dass eben so gut wie alle befragten Dampfer zuvor Raucher waren. Und das auch noch relativ frisch. Es ist also mehr als gewagt, deren Erkrankungen einfach dem Dampfen zuzuschreiben. Besonders bei COPD wird das recht deutlich. Denn es ist nahezu unmöglich, dass sich eine COPD in so kurzer Zeit entwickelt. Genau deshalb ist es auch so problematisch, dass wir hier eine Langzeitbeobachtung von gerade mal drei Jahren haben.

Prof. Dr. Michael Siegel von der Boston University bemerkt hierzu:

„There is simply no way that you can develop COPD from vaping for five years. Even among heavy chain smokers, it takes several decades before they develop COPD.“ (Es gibt einfach keine Möglichkeit, COPD zu entwickeln, wenn man fünf Jahre lang dampft. Selbst bei schweren Kettenrauchern dauert es Jahrzehnte, bis sie an COPD erkranken.)

Tatsächlich erkranken Raucher durchschnittlich im Alter von 45 Jahren und zumeist nach jahrzehntelanger Raucherkarriere an COPD. Eine „Turbo-COPD“ innerhalb von drei Jahren ist weit mehr als unplausibel. Trotzdem wurden in der Studie auch diese Fälle der E-Zigarette zugerechnet. Selbst, wenn es viel plausibler ist, dass die Rauchervergangenheit der Auslöser für die Erkrankungen war. Darauf deutet auch eine Langzeitstudie des italienischen Mediziners Prof. Riccardo Polosa hin, in der gezeigt werden konnte, dass sich der Gesundheitszustand von COPD-Patienten nach dem Umstieg aufs Dampfen deutlich verbessert hatte.

Prof. Dr. Michael Siegel schlussfolgert daher:

„There is absolutely no way one can conclude, or even speculate, based on the results of this cross-sectional study, that vaping is a cause of chronic obstructive lung disease [COPD].“ (Aus den Ergebnissen dieser Querschnittstudie kann absolut nicht geschlossen oder gar spekuliert werden, dass Dampfen eine Ursache für COPD ist.)

Ein weiteres Problem der Studie ist, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass Befragte weiterhin Zigaretten rauchten, obwohl sie angegeben hatten, nur noch E-Zigarette zu dampfen. Für viele Menschen zählt vielleicht zum Beispiel der regelmäßige „Ausrutscher“ auf Partys nicht als wirkliches Rauchen.

Und dann ist auch nicht auszuschließen, dass Raucher versucht haben ihren Zigarettenkonsum gerade deshalb mit der E-Zigarette zu reduzieren, weil sich bei ihnen die ersten Anzeichen einer Lungenerkrankung zeigten. Oft dauert es nämlich eine relativ lange Zeit von den ersten Symptomen bis zur Diagnose. Auch hier wäre das Dampfen nicht Verursacher sondern Folge der Erkrankungen.

Dass übrigens Dualuser ein noch höheres Erkrankungsrisiko als „Nurraucher“ haben sollen, ist nicht nur unlogisch, es lässt sich recht einfach und plausibel damit erklären, dass gerade besonders starke Raucher Probleme damit haben könnten, ganz auf die E-Zigarette umzusteigen und daher Dualuser bleiben.

Leider werden sich die wenigsten Journalisten die Mühe machen, die Studie genau anzugucken, sie auf Plausibilität zu prüfen und ihren Job damit vernünftig zu erledigen. Das Rauschen im Blätterwald hat bereits begonnen, die Studie passt ja so schön ins Bild.

Doch das einzige, was diese Studie tatsächlich zeigt, ist, dass Raucher ihrer Gesundheit einen fetten Dienst erweisen, wenn sie auf die E-Zigarette umsteigen. Wie erwähnt, sinkt laut dieser Studie das Risiko für ernsthafte Lungenerkrankungen durch den Umstieg aufs Dampfen bereits nach drei Jahren um mindestens 80%.

Darüber allerdings, ob Nichtraucher ihrer Gesundheit schaden, wenn sie der leckeren Wolke frönen, sagt diese Studie absolut nichts aus. Es bleibt dabei, dass bis heute keine seriöse Studie belegen konnte, dass Dampfen überhaupt ernsthaft schädlich ist. Und diese erst recht nicht.


MedicalXpress.com: E-cigarettes significantly raise risk of chronic lung disease, first long-term study finds

Clive Bates über diese Studie

Studie von Polosa zum Thema Dampfen und COPD

Die TPD schützt uns vor nix

Na gut, vor fast nix. So’n paar sinnige Sachen stehen da ja schon drin und es ist nicht die schlechteste Idee, wenn man eine Liste macht, wo drauf steht, was für fiese Sachen nicht in die Nebelsuppe dürfen. Sofern die Liste dann auch rein nach Fakten geklöppelt wird und wenn es nur um das Thema Gesundheit geht. Wenn kein fettes Öl ins Wolkentonikum darf, macht das Sinn. Darf kein Koffein rein, eher weniger. Selbst, dass Diacetyl aktuell auf der Liste steht, ist Kappes. Dafür, dass das Zeug die berühmte “Popcorn Lunge” verursacht, fehlen nämlich bis heute alle Beweise. Aber das ist noch mal ne eigene Geschichte, zeigt allerdings, dass die jetzige Liste schon nicht wirklich nur mit dem Köpfchen gemacht wurde.
Ansonsten haben wir in der TPD, vielmehr im Tabakerzeugnisgesetz, noch so glorreiche Sachen, wie 10ml Fläschchen, eine Wartefrist von sechs Monaten, die keinen Zweck erfüllt, und natürlich die Nikotinobergrenze von 20mg/ml. Eine Obergrenze, die willkürlicher nicht sein könnte. Oder besser gesagt, eine Obergrenze, die zeigt, wie inkompetent einige Leutchen in Brüssel sind. Denn das ist kein sinniger Wert, sondern das haben sich Sesselpupser zusammengestrickt, nachdem die eine Studie vom griechischen Wissenschaftler Dr. Konstantinos Farsalinos falsch verstanden haben. Nachdem er der Brüsseler Rasselbande übrigens gesagt hatte, dass die da was nicht kapiert haben, kam von denen ernsthaft die Antwort, dass sie das natürlich richtig sehen, er würde sich irren. Die haben ihm also… ohne Shice… erzählt, die hätten mehr Ahnung von seiner Studie als er selbst. Mettbällebad.

Aber das nur am Rande. Darum, dass die TPD alles andere als das Gelbe vom Ei ist, soll’s hier gar nicht gehen. Viel mehr geht’s darum, dass es zwar prinzipiell sinnig sein kann, dem Dampfen einen vernünftigen Rahmen zu geben… sieht ja auch nach außen immer viel schöner aus… dieser Rahmen aber nicht die Bohne was mit den Fällen in den USA zu tun hat.
Doch vor allem Shops sowie die Verbände BfTG und VdeH hängen aktuell die tolle Regulierung in der EU an die große Glocke. Bei uns ist alles supi, guck, wir haben die TPD, und bei den Amis ist die Hölle los, weil da nix reguliert ist.

Aber die haben da nicht so viele Verletzte und Tote, weil der amerikanische Markt wie der wilde Westen ist und jeder machen kann, was er will. Zwar haben die Liquidbrauer in den Staaten tatsächlich noch keine direkte Regulierung der Inhaltsstoffe, sie müssen aber der FDA trotzdem bei jedem Liquid ganz penibel mitteilen, was in der Suppe drin ist. Außerdem will jeder Hersteller Kunden und keine Leichen.
Doch auch das ist eigentlich wurscht, denn hier wird eine Sache mächtig vergessen: Es geht bei dem Mist in der neuen Welt  gar nicht um die E-Zigarette.

Das ganze Ding mit den Verletzten und Toten hat mit der E-Zigarette und irgendwelchen Regulierungen so wenig zu tun, wie ein Regenwurm mit Synchronturnen. Es geht um verunreinigte oder gepanschte illegale THC-Liquids, liebevoll “E-Joints” getauft. Die sind nicht nur bei uns verboten, die sind auch in den USA nicht erlaubt. Die werden da auf dem Schwarzmarkt vertickt.
Und auch hier geht’s nicht ums THC selber, sondern nur um das Ding “illegal”. In legalen THC-Liquids (in einigen Staaten der USA ist das mit dem Kiffen nämlich okay), die man untersucht hat, waren weder fette Öle, noch Pflanzenschutzmittel oder Fungizide drin.

Man mag es glauben oder nicht, aber so einem Drogenpanscher, der sein Zeug auf der Straße vertickt und dem es wurscht ist, ob die “Kundschaft” daran zu Grunde geht, juckt eine Regulierung der E-Zigarette heftig wenig. Man hätte also so viel regulieren können, wie man wollte, wir hätten heute trotzdem die gleichen Probleme.
Oder etwas deutlicher gesagt: Du kannst Wein noch so sehr regulieren, es verhindert trotzdem nicht, dass sich irgendwelche Deppen Spiritus aus Weingläsern hinter die Binde kippen.

Deshalb ist es so megadämlich, jetzt die “in Deutschland sind wir sicher, weil wir hier so tolle Regulierungen haben” Masche zu fahren. Warum? Weil das noch heftig nach hinten losgehen kann. Die Fälle aus den USA werden nämlich auch nach Deutschland kommen… genau genommen sind sie das wahrscheinlich schon.
Wenn das in Bremerhaven nämlich wirklich E-Zigaretten und keine Vaporizer waren, in die sich ein Haufen Steppke irgendein Drogengepansche reingetan haben, dann haben wir bereits das kugelige Grünzeug. Das ist zwar nicht ganz die selbe Soße wie in den USA, da waren es sehr wahrscheinlich Lipidpneumonien durch fette Öle und bei den Halbstarken aus der Stadt an der Weser ist es ganz simpel Substanzmissbrauch, es sind trotzdem zwei Seiten des selben Rubels.

Also, was passiert denn, wenn auch in Deutschland die ersten “durch die E-Zigarette” umkippen und wir vorher einen rausgehauen haben, dass wir wegen der Regulierung sicher sind? Die Clique aus Berlin wird schreien, dass die Regulierungen offensichtlich nicht weit genug gehen, dass man mehr machen muss. Es wird hier auch blinder Aktionismus ausbrechen, so’n bissel wie gerade in den USA.
Dass jede Verschärfung der bestehenden Regeln in etwa so sinnig ist, wie eine Verschärfung des Tempolimits in der Stadt, um Unfälle auf der Autobahn zu verhindern, wir die einen Leutchen nicht interessieren und bei den anderen übersteigt das den intellektuellen Horizont. Die haben ja jetzt schon Probleme damit, den Unterschied zwischen Rauch und Nebel zu kapieren.

Wir sollten also sagen wie es ist: Die “mysteriöse Lungenkrankheit” in den USA wurde von illegalen, gepanschten Drogen verursacht. Die sind in den USA anscheinend irgendwie Mode, weshalb da drüben so viele Leutchen umkippen. Und wir haben (noch) kein Problem mit dem Zeug, weil illegale Joints zum Dampfen bei uns eben kaum ein Thema sind. Außerdem sind zum Glück nur recht wenige Leute so bekloppt, sich irgendein Dreckszeug in den Tank zu kippen.

Mit der TPD oder dem Tabakerzeugnisgesetz hat das alles jedenfalls nix zu tun. Und das sollten wir auch deutlich sagen, selbst wenn die TPD erst mal wie ein scharfer Pfeil im Argumentenköcher aussieht. In Wahrheit ist es ein mächtiger Bumerang.


e-Dampfen.info: Krankheits- und Todesfälle durch verunreinigte THC-Liquids in den USA

Ist das Glas schuld, wenn Opa reinpinkelt?

Die Welle rollt, der Sturm bläst durch den Blätterwald, die Erde wackelt heftig. Angeblich sind in den USA Horden von Menschen durch die E-Zigarette krank geworden. Mittlerweile sollen es 153 Leutchen in 14 Staaten sein, die vom Nuckeln an der E-Fluppe im Krankenhaus gelandet sind. Da geht’s von Atemnot, über Lungenkollaps bis zu Durchfall und Erbrechen. Ein paar der Patienten brauchten etwas mehr Hilfe, teilweise wurden sie vorübergehend beatmet, aber keiner ist abgenibbelt, fast alle konnten recht fix wieder nach Hause und keiner scheint was Bleibendes zu haben. Das alles hat die Dampfe gemacht.

Zumindest, wenn’s nach BILD, Focus, RTL und Co. geht. Aber nicht nur der qualitative Bodensatz der deutschen Medienlandschaft hat diesen Unsinn verbreitet, leider machen beim Niveaulimbo echt alle mit. Da wird mehr als an den Tatsachen rumgebogen oder vielleicht mal etwas übertrieben, da wird teilweise herzhaft kräftig gelogen. Dagegen sehen Grimms Märchenbücher aus wie wissenschaftliche Abhandlungen. In der FAZ gibt’s mittlerweile sogar schon “Todesfälle”…

“Tabakkonzerne werben gern damit, dass die E-Zigarette viel weniger schädlich ist als die herkömmliche Zigarette. Todesfälle in Amerika lassen daran zweifeln.” (FAZ am 20.08.2019)

Blöd nur, dass da irgendwie die Leichen fehlen. Aber hey, warum nur ne Dose Prosecco schlürfen, wenn man gleich mit der Magnumflasche die Korken knallen lassen kann?! Die FAZ wollte wohl nicht nur den Vogel abschießen, sondern ihn gleich mit ner Flak ordentlich in der Luft zerfetzen. Wenigstens haben sie die Überschrift ein bissel abgeschwächt, war denen dann wohl doch eine Nummer zu dick. Hieß es anfangs noch “US-Behörden prüfen Todesfälle in Zusammenhang mit E-Zigaretten” prangt jetzt nur noch “Ist die E-Zigarette Schuld an Lungenkrankheit?” über dem textlichen Machwerk. Aber selbst das mit der “Lungenkrankheit” ist Schwachsinn, denn es geht hier nicht um eine Krankheit. Es ist ja auch keine Krankheit, wenn reihenweise Leute von gepanschtem Wein umkippen… würde ja keiner auf die Idee kommen, daraus eine Weinerositis oder Bacchusomie zu machen. Gut, außer vielleicht BILD, die können… sorry, machen alles.
Aber diese “Lungenkrankheit” findet sich fast überall im Mediendschungel. So kriegt die Sache mit der E-Zigarette einen schön bösen chronischen Touch.

Nur, von chronisch sind wir so weit weg, wie ein Mehlwurm von einer Dürrekatastrophe. Überhaupt ist das mit der Krankheit so eine Sache. Bis jetzt ist das ganze nämlich nur ein wursteliger Sumpf aus “könnte sein” und “weiß nicht genau”. Erst in den Medien wurde daraus eine “Lungenkrankheit” und die E-Zigarette der fiese Bösepeter. Aber auf diesen kompletten Flachsinn haben schon andere ganz gut ihre Funzel gehalten (Links gibt’s unten), deshalb will ich hier nur mal kürzigwürzig die ganze Sache aufrollen.

Angefangen hat’s mit etwa 22 Fällen vor allem in Wisconsin sowie den angrenzenden Staaten Minnesota und Illinois, alles also auf recht engem Raum. Das wird einem klar, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel die Metropolregion Chicago sowohl in Wisconsin, als auch Illinois und Indiana liegt.
Bei den Fällen ging es vor allem um Atemnot und Übelkeit… so Kotzeritis und Flatulenz. In einem Fall war’s etwas heftiger, da musste der Patient kurzzeitig im künstlichen Koma beatmet werden. Aber alle konnten nach relativ kurzer Zeit wieder nach Hause. Abgenibbelt ist keiner.
Nun hatten die Ärzte das Problem, dass die keine Ahnung hatten, woher das ganze kam. Und das wissen die bis heute nicht. Infektionen konnten ausgeschlossen werden. Aber eine Sache hatten alle eingelieferten Leutchen gemein, sie haben gedampft. Also, und das ist ja soweit noch voll okay, wurde die Dampfe ein Hauptverdächtiger… oder besser gesagt, was in der Dampfe drin war. Denn wir reden hier nicht über die nette JUUL vom Supermarkt, sondern über merkwürdige Kartuschen von der Straßenecke. Zwar weiß man nicht bei allen, was die so gedampft haben, aber bei einigen ist klar, dass es vorgefüllte Tanks von der Straße waren, oft mit THC drin. Dazu hat das CDC bekanntgegeben:

“In many cases, patients have acknowledged recent use of tetrahydrocannabinol (THC)-containing products while speaking to healthcare personnel or in follow-up interviews by health department staff; however, no specific product has been identified in all cases, nor has any product been conclusively linked to illnesses.”

In vielen Fällen war also THC, der Glücklichmacher aus’m “Gras”, im Spiel. Jetzt ist auch nicht das THC unbedingt automatisch das Problem, aber dass es gedampft wurde eventuell. Denn das lässt sich nicht so einfach in das Liquid prügeln. Vor allem ist das Harz der Cannabispflanze, da ist nämlich das meiste THC drin, oft in fetten Ölen gelöst. Und fette Öle sind das letzte, was man im Tank haben will. Was sonst noch in den Kartuschen drin war, kann auch keiner sagen… pharmazeutische Qualität war das bestimmt nicht.

Um die Dampfe geht’s hier also gar nicht, sagt sogar das CDC, sondern um das, was drin war. Oder mit den Worten von Prof. Dr. Bernd Mayer: “Ist das Trinkglas Schuld, wenn Opa rein pinkelt?”

Aber machen wir doch mal’n Hüpfer nach hinten und gucken uns die ganze Soße von etwas weiter weg an. Wir haben in den USA so etwa 9 Millionen Dampfer und weltweit noch mal ein paar zig Milliönchen mehr. Seit über 15 Jahren machen Menschen auf dem Globus leckere Wolken und keiner ist bisher davon umgekippt.
Jetzt, ganz plötzlich, kriegen im Land der FDA ein paar Leutchen schlecht Luft, machen Kotzikotzi oder flattern sich die Rosette weg. Und auf einmal wird die Dampfe zur Todesmaschine? Ohne Leichen übrigens… nur noch mal für FAZ-Leser.
Jetzt mal ehrlich, haben hier alle das Denken verlernt? War so viel Evolution echt umsonst?

Fällt denn keinem auf, dass es schon irgendwie komisch ist, dass das ganze Zeug nur auf einem recht kleinen Fleckchen Erde passiert ist?! Außerhalb der USA gibt’s nicht einen Fall dieser neuen “Lungenkrankheit”. Wie gesagt, bei zig Millionen Dampfern auf unserer kleinen Kugel.
Klar, mittlerweile gibt’s 153 Fälle in 14 Bundesstaaten. Aber das ist ja auch kein Wunder, wenn jetzt jeder Dampfer mit ein bissel Atemnot oder Flatulenz automatisch mit auf die Liste gesetzt wird. Das ganze ist ein Selbstläufer geworden. Ich will nicht wissen, wie viele Colatrinker mit Blinddarmentzündung jedes Jahr in den Krankenhäusern landen. Epidemie?
Das weiß auch das CDC und schreibt selbst:

“Even though cases appear similar, it is not clear if these cases have a common cause or if they are different diseases with similar presentations.”

Es weiß also erst mal schon keine Sau, ob die Fälle überhaupt alle mit der Sache zu tun haben und erst recht kann man nicht sagen, dass es hier um ein Problem mit der Dampfe geht. Dass wir hier ein echt fettes Problemchen haben, wär so oder so etwas übertrieben, wenn von etwa 9 Millionen Dampfern in der neuen Welt 153 (das sind 0,002% der Wolkenmacher) irgendwelche Beschwerden haben.

Jetzt müsste also jeder, der nur so’n Fitzel Ahnung von der Materie hat und genug Hirnzellen, um mit Messer und Gabel zu essen, klar sagen, dass es hier nicht um die Dampfe geht… gar nicht gehen kann. Und da betritt Katrin Schaller vom DKFZ die Bühne:

“Ein Zusammenhang ist durchaus plausibel.”

Hä? Hier ist was plausibel? Ja, Dummheit, gepaart mit gepanschter Suppe in einer Dampfkartusche und anschließender “Ausnüchterung” im Krankenhaus. Da ist was plausibel. Aber ein Zusammenhang zwischen den 153 Fällen und der Dampfe ist so plausibel, wie der Zusammenhang zwischen den jährlich etwa 70.000 Toten durch Alkoholkonsum und Flaschen.
Außerdem kann man was “chronisches” eh ausschließen, dass würde dann nicht zuerst recht junge Dampfer treffen, die noch nicht sehr lange der leckeren Wolke frönen, und es würde sich bestimmt nicht auf den mittleren Norden der USA beschränken. Da wären dann zuerst die ganzen alten “Dampfersäcke” dran… und das weltweit. Aber weltweit gibt’s eben immer noch keinen einzigen Fall, dass einer vom Dampfen umgekippt ist.
Solche komischen Sachen wie “Krampfanfälle” durch die JUUL, eine “Dampfepidemie” unter Jugendlichen und eine mysteriöse “Lungenkrankheiten” von der gedampften Wolke, gibt’s nur im Land der FDA. Das alles gibt es nur in dem Land, in dem viele Bundesstaaten durch das “Tobacco Master Settlement Agreement” richtig fette Kohle mit dem gerollten Blätterwerk machen.

Noch mal zum mitschreiben und für alle Dampfer, die wegen der Sache jetzt Panik schieben wollen: Die Sache in den USA hat mit einer Gesundheitsgefährdung durch die Dampfe nix zu tun. Wegen dieser Fälle vor der Dampfe zu warnen, ist so, als würde ich vor Weingläsern warnen, wenn Leute wegen gepanschtem Wein umkippen. Da gibt’s nix zu diskutieren.

Was die Medien und leider auch ein paar “Fachleute” aktuell machen, ist nichts anderes, als Kot aus der Futterlucke abzusondern.
Sorry, ich weiß echt nicht, wie ich’s netter sagen soll. Und diesen Mist kann keiner mehr wegräumen, der ist jetzt in der Welt und den Geruch kriegst du nicht mehr aus der Wohnung.
Wenn wir jetzt nicht irgendwie einen Weg finden, endlich mal “zurückzuschlagen”, endlich mal das Heft in die Pfoten zu kriegen und in die Offensive kommen, dann wird’s noch echt fies für die Dampfe. Klar wird sie irgendwann, irgendwie am Ende “gewinnen”… hey, wir reden hier über harmlosen Disconebel mit Geschmack… aber vorher kann’s eben auch noch heftig böse werden.

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Artikel bzw. Videos zu dem Thema:
Vapers.guru: Epidemie: Geheimnisvolle Lungenerkrankung durch E-Zigarette
Reaktion von Prof. Dr. Bernd Mayer: Dampfen statt Rauchen Teil 20 – Mysteriöse Lungenerkrankung durch E-Zigaretten – tatsächlich? (Aktualisiert am 25.08.2019)
V.S.I.: Mysteriöse Lungenkrankheit durchs Dampfen?
V.S.I.: Update(24.08.) zur mysteriösen Lungenkrankheit (Aktualisiert am 24.08.2019)
Matzes-Plauderecke.de: FAKE-News

Verbände zu dem Thema:
VdeH: E-Zigaretten nicht ursächlich für Lungenerkrankungen; Mahnung zur journalistischen Sorgfalt
BfTG: E-Zigaretten sind sichere Alternative

CDC zu dem Thema: CDC, FDA, States Continue to Investigate Severe Pulmonary Disease Among People Who Use E-cigarettes

Ein Ausschnitt des medialen Misthaufens:

Die FAZ und ihre Toten: Ist die E-Zigarette Schuld an Lungenkrankheit?
Zeit Online: Im Blindflug in die Sucht
Focus: Krank wegen E-Zigaretten: Lungenarzt schließt Gefahr für Dampfer in Deutschland nicht aus

EDIT: Mittlerweile soll einer “vom Dampfen” gestorben sein… noch weiß man aber nicht wirklich viel darüber. Die FAZ hatte wohl gerade ihre Glaskugel poliert, als sie das voraussah. Das alles ändert nur nix an der Tatsache, dass, wie schon geschrieben, hier vor Weingläsern gewarnt wird, weil einer gestorben ist, nachdem er irgend ein giftiges Zeug aus selbigem getrunken hat. (Aktualisiert am 24.08.2019)

Erst fiel er um, dann wurd’ er erschossen

Über eine Kuhdungstudie der besonderen Art.

Es gibt zwei Studien, die nachgewiesen haben wollen, dass Dampfen das Risiko für Herzklabaster und Hirnschlag erhöht.
An beiden Studien war maßgeblich der US-amerikanische Raketenwissenschaftler Prof. Dr. Stanton Glantz beteiligt, der auf magische Weise mittlerweile einen Lehrstuhl für Medizin an der University of California (San Francisco) inne hat.
Und so wenig Ahnung, wie er von Medizin zu haben scheint, hat er offensichtlich auch vom korrekten wissenschaftlichen Arbeiten.

Denn beide Studien haben eins gemeinsam, sie zaubern aus Korrelation Kausalität.

Damit jeder weiß, worum’s geht: Korrelation ist, wenn zwei (oder auch mehr) Sachen passieren, die in irgendeiner Weise was miteinander zu tun haben.
Ein Beispiel: Im Winter dröhnt uns aus dem Radio deutlich häufiger “Last Christmas” entgegen, als zu jeder anderen Jahreszeit, und gleichzeitig steigt die Zahl der Autounfälle sprunghaft in die Höhe. Das ist eine Korrelation… aber keine Kausalität.
Denn ob man’s glaubt oder nicht, die Leute krachen nicht häufiger mit ihren Karren ineinander, weil sie sich vor Schreck die Ohren zuhalten, sondern weil die Straßen im Winter öfter mal glatt sind. Und der allseits beliebte Evergreen von WHAM! wird eben vor allem um Weihnachten rum hoch und runter gejodelt… hat mit Straßenverkehr nix zu tun.

Bei Kausalität müssen die Dinge schon direkt was miteinander zu tun haben, das eine muss Ursache des anderen sein: Wenn mehr Leute Kopfschmerzen haben, dann steigen die Verkaufszahlen von Schmerztabletten.
Für Kausalität ist die Abfolge auch noch verdammt wichtig. Das eine war zuerst da und deshalb passiert das andere danach. Es kriegt ja keiner Kopfschmerzen, weil die Verkaufszahlen von Schmerztabletten steigen.

Zurück zu den Studien vom Herrn Glantz. Der hat sich nämlich Umfragen angeguckt, in denen die Leute unter anderem angegeben hatten, ob sie Dampfen und ob sie schon mal einen Herzinfarkt… oder so was in der Art… hatten.
Und, oh Wunder, da hat er ne Korrelation gefunden.

Soweit wär ja alles noch in Ordnung… Unfälle und nervige Ohrwürmer eben. Aber jetzt hat er alles, was er über sauberes wissenschaftliches Arbeiten wusste, wenn er es jemals gewusst hat, einfach vergessen und seinen Zauberstab rausgeholt. Schwups, schon haben wir eine Kausalität.
Die Menschen hatten Herzinfarkte und Co., weil sie dampften.

Problem an der Sache ist nur, dass das Dampfen jetzt auch für die Herzinfarkte verantwortlich sein soll, die jemand hatte, bevor er mit dem Dampfen angefangen hat. Die Wirkung kommt also vor der Ursache… öhm. Ich würde mal sagen, das ist einen Nobelpreis für Physik wert. Konfettikanone!

Natürlich ist das Kuhdung. Nicht nur, dass die Studie schon das Problem hat, dass fast alle Dampfer ehemalige Raucher sind. Raucher haben eh schon ein erhöhtes Risiko für Pumpenprobleme, auch noch, nachdem sie dem gerollten Blätterwerk abgeschworen haben… zumindest ne Weile lang. Sondern viele dieser Leutchen dampfen überhaupt nur, weil sie Probleme mit der Gesundheit hatten. Hier ist also der Herzinfarkt Grund dafür, dass einer der leckeren Wolke frönt und nicht anders rum.

Wie erwähnt, gibt’s zu dem Thema zwei Machwerke des Mister Glantz. Und konnte man bei der ersten Studie noch behaupten, hier war nur ein verdrehter Geist am Werk, der etwas unsauber hantiert hat, muss man bei der zweiten eigentlich endgültig Absicht unterstellen.
Da hat der Raketenwissenschaftler nämlich “übersehen”, dass in den Umfragen drin steht, wann die Leutchen Herzklabaster hatten. Bei einigen war das, bevor es die Dampfe überhaupt gab.

Da hat also ein Weißkittel nicht nur mies gearbeitet, sondern dabei sogar noch geschlampt.
Kein Wunder, dass es jetzt Kollegen gibt, die Dr. Glantz bzw. das Journal, in dem der wissenschaftliche Kernschrott veröffentlicht wurde, auffordern, das Teil wieder zurückzuziehen. Ein Wunder ist eher, dass es nur so wenige sind.
Der erste war Brad Rodu, worüber Vapers.guru bereits berichtet hat, dem sich nun auch Dr. Konstantinos Farsalinos angeschlossen hat.
Ob’s was bringt, werden wir sehen. Stanton Glantz wird’s eh nicht weiter jucken, sein Job ist getan, die fetten Schlagzeilen gemacht und seine Kohle kriegt er auch weiter.

Was bleibt, ist noch ein Knacks mehr in der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft, fette Schlagzeilen von Herzklabaster machenden E-Zigaretten und etliche Nichtdampfer und Dampfer, die deshalb glauben, die leckere Wolke sei schlecht für die Pumpe.

Fakt ist aber: Bis heute gibt es nicht einen einzigen seriösen Hinweis darauf, dass Dampfen schlecht für Herz und Co. ist.

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Artikel in Vapers.guru: Wissenschaftler greift Fake Studie öffentlich an
Stellungnahme von Dr. Farsalinos: E-cigarette use increases the risk of heart attacks that happened 10 years before e-cigarette use initiation (!!!)

Erwähnte Studien:
Glantz et al.: Association Between Electronic Cigarette Use and Myocardial Infarction
Glantz et al.: Electronic Cigarette Use and Myocardial Infarction Among Adults in the US Population Assessment of Tobacco and Health

7 Fakten über die E-Zigarette

Die Dampfe hat’s nicht leicht… immer noch nicht. In Deutschland leben wir ja noch so ein bisschen im Land der Glückseligen. Zwar nervt das, wenn wir sechs Monate absolut überflüssigerweise auf den neusten Shice aus Chinaland warten müssen oder Nikotin nur in Minifläschchen kriegen, aber wenigstens können wir uns unser Dampfzeug nach Hause bestellen, dürfen lecker Geschmack in der Suppe haben und kriegen alles ohne Nikotin noch in großen Flaschen.
Schon in der EU sieht’s in einigen Ländern weit düsterer aus.

In vielen Ländern außerhalb unseres Kontinents ist die Dampfe sogar ganz verboten, oder zumindest alles mit Nikotin, und in den USA wird derzeit ein Krieg gegen die leckere Wolke geführt, der an Absurdität nur noch von Disneyland überboten wird… wenn Chewbacca mit Goofy auf der Hauptstraße tanzt.
San Francisco treibt’s sogar so weit, alles an Dampfen zu verbieten, was noch keine Zulassung von der FDA hat… also alles. In sieben Monaten ist in der kalifornischen Metropole de facto der Verkauf von E-Zigaretten illegal. Dann kriegst du zwar an jeder Tanke weiter Kippen und kannst dich problemlos legal mit Marihuana versorgen, aber Disconebel mit Geschmack gibt’s nur noch beim Dealer um die Ecke.
Das alles, weil die Märchenonkel von der FDA sich eine Epidemie ausgedacht haben.

Wie gesagt, uns scheint da ja fast noch unser Zentralgestirn aus dem Enddarm. Trotzdem wird selbst bei uns das Dampfen fast so reguliert, als ginge es um den neusten Schrei aus der Schmiede von Heckler und Koch. Es wird offen überlegt, ob man nichtrauchende Nichtdampfer staatlicherseits vor Disconebel schützen sollte und die Dampfer zu den Rauchern vor die Tür verbannt werden. Aktuell will die Rasselbande in Berlin sogar die Werbung für ein Produkt verbieten, das weniger bekannte Gesundheitsrisiken als Cola hat… Holidays are coming.

Nein, das Dampfen hat’s aktuell mal gar nicht leicht. Und da scheint’s auch keine Rolle zu spielen, dass die leckere Wolke fast alle Fakten auf ihrer Seite hat. Überhaupt, was sind schon Fakten, wenn nur noch die gefühlte Wahrheit zählt? Wolken sind böse, weil’s eben Wolken sind.

Aber wie kann man der Truppe im Bundestag eigentlich für ihre Ignoranz sauer sein, wenn viele Dampfer selber wie Kleinkinder die Finger in die Ohren stecken und nix von Fakten wissen wollen. Diese Dampfer sind arme exrauchende Suchtis, die E-Zigarette ist für sie nur “das kleinere Übel” und “bestimmt nicht gesund”, Nichtraucher sollten “lieber erst gar nicht mit so nem Mist anfangen” und die Kinder müssen auf jeden Fall davor geschützt werden, durch die Dampfe zu grenzdebilen suchtigen “Nikotinjunkies” zu verkommen.
Dampfen muss schädlich sein, da muss doch irgendwo ein Haken sein. Ein Genussmittel ohne Schaden? Das kann es nicht geben, das darf es nicht geben. Freude braucht Reue, sonst knarzt es im Weltbild.

Blöderweise geben die Fakten aber eben nix her mit ernsthaftem Schaden. Wär ja noch nicht mal echt schlimm, wenn da doch was wäre. Wie gesagt, es ist ein “Genussmittel”, das dürfte sogar so’n bissel ungesund sein… so wie Cola, Steak und Kaffee.
Doch Dampfen ist zwar ein wenig wie Rauchen… zumindest gibt’s Wolken… aber bei der Schädlichkeit kommt es nicht mal ein My an die Wolke aus dem gerollten Blätterwerk ran. Das sagen uns eben die Fakten. Und ich denke, gerade jetzt ist es wichtig, diese Fakten immer wieder auf den Tisch zu legen, ganz klar zu sagen, wo der Drops die Muschi mausert.

Ich erreiche mit meinem Geschreibsel zwar nur ein paar Dampfer in der berühmten “Blase”, ist mir schon klar. Und im Internetz des Reichstagsgebäudes wird sich keine Sau meinen Blog auf den Bildschirm holen. Aber wenn ich nur Dich einen Leserling erreiche (ja, ich meine DICH), während du deine Augen sanft über diese Buchstaben hoppeln lässt, wenn ich es nur hinbekomme, dass ein Dampfer mal ernsthaft darüber nachdenkt, was die Fakten uns über den leckeren Nebel verraten… na, dann is mein Job getan. Deshalb hier jetzt mal die Auswahl der sieben Fakten über die E-Zigarette:

1. Der Dampf einer E-Zigarette enthält weniger Formaldehyd als die Atemluft eines Menschen.
Is ja nicht so schwer zu messen, woraus unsere leckeren Wölkchen bestehen. Vor allem, weil moderne Instrumente so genau messen, dass du in Berlin sehen kannst, wenn in Paris einer gefurzt hat… zumindest bei Westwind.
Also hat man den Dampf ordentlich untersucht.
Und wenn seriös gemessen wurde, dann war das Ergebnis auch immer recht eindeutig. Zwar hat man Schadstoffe finden können, aber in so kleinen Mengen… naja, ein pariser Furz eben.

Jetzt haben die Leutchen mit den weißen Kitteln aber nicht gesagt, “Hey, guckt mal, da ist ja nicht mehr drin als ein harmloses französches Lüftchen”, sondern sie haben aus diesen Fitzelmengen einen übelriechenden Flatulenztornado gemacht.

Fakt ist aber nun mal, dass man bedeutend weniger Formaldehyd und Acetaldehyd gefunden hat, als ein Mensch am Tag selber ausatmet.
Und auch wenn Acrolein in unseren oralen Absonderungen nicht zu finden ist, bleibt die Dampfe sogar bei diesem Stöffchen weit unter allen Grenzwerten.

Konstantinos E.Farsalinos et al.: Aldehyde levels in e-cigarette aerosol: Findings from a replication study and from use of a new-generation device

2. Beim Dampfen werden weniger Schwermetalle freigesetzt, als in Inhalationsmedikamenten erlaubt ist.
Ja, auch Metalle, sogar Schwermetalle, kann man in der Wolke finden. Aber auch hier gilt wieder die Frage: Wie viel ist denn drin?
Ich sag’s mal so, von Schrotthandel sind wir aber mal echt weit entfernt. Klar, wenn wir den Dampf mit der Atemluft vergleichen, sieht’s erst mal halbwegs gefährlich aus. Deswegen haben es die Leute auch gemacht, die im Nebel nach Blei und Co. gesucht haben, damit die ganze Sache so’n bissel Drama kriegt.
Nur atmet ein Durchschnittsmensch etwa 20.000 mal am Tag und an der Dampfe zieht man vielleicht 600 mal. Ist schon ein Unterschied… so’n kleiner.

Also sollte man das ganze eher mit was vergleichen, das Sinn macht, zum Bleistift die Grenzwerte für inhalative Medikamente des “U. S. Department of Health and Human Services”. Macht man das, dann sieht die ganze Sache nämlich schon heftig anders aus.
Dann muss man nämlich schon etwa 70ml Liquid am Tag wegdampfen, damit man bei Nickel in den Grenzbereich kommt. Bei allen anderen gefundenen Metallen waren es weit mehr, bei Blei zum Beispiel über 300ml und bei Aluminium sogar über 2.000 Liter. Und das nur, damit man die Obergrenze für Medikamente überhaupt mal erreicht.

Pablo Olmedo et al.: Metal Concentrations in e-Cigarette Liquid and Aerosol Samples: The Contribution of Metallic Coils
Konstantinos E.Farsalinos et al.: Metal emissions from e-cigarettes: a risk assessment analysis of a recently-published study

3. “Passivdampf” ist harmlos.
Es wurde wirklich genug rumgemessen und nach allem möglichen an fiesen Stöffchen gesucht. Gefunden hat man nichts, niente, nada. Das einzige, was den Wolkenhassern blieb, war der Versuch, Propylenglykol zu was bösem atemwegsreizendem zu machen. Nur ist das eben absoluter Hirnkot.

Der leckere Nebel ist für alles drum rum harmlos, sogar für das liebe Kätzchen, den Bello oder die lieben Kinderchen. Da gibt’s nichts mehr zu diskutieren. Das ist einfach “Kugelerde”.

Jan Czogala et al.: Secondhand Exposure to Vapors From Electronic Cigarettes
HHE Report No. 2015-0107-3279: Evaluation of Chemical Exposures at a Vape Shop (PDF)
Wolfgang Schober et al.: Schadstoffbelastung von Pkw-Innenräumen beim Rauchen unterschiedlicher Rauchsysteme (PDF)
Wouter F. Visser et al.: The Health Risks of Electronic Cigarette Use to Bystanders

4. Es gibt keine Belege dafür, dass reines Nikotin abhängig macht.
Hier war ich mal vorsichtig, wie ich’s ausdrücke. Ich hätte auch schreiben können, dass Nikotin ohne Tabak nicht abhängig macht… zumindest Leute, die noch nie was mit Rauchen am Hut hatten. Aber das zu beweisen, ist etwas schwierig, selbst, wenn es dafür klare Hinweise gibt. Außerdem ist das mit dem “Abhängig” echt ne komplizierte Sache. Da geht’s eben nicht nur um Chemie, sondern vor allem viel um Gewohnheiten und Rituale. Deshalb ist es auch irgendwie auffällig, dass es keine “Nikotinjunkies” gibt, die ihre Sucht dauerhaft mit Pflastern und Kaugummis stillen.

Aber das brauch ich auch gar nicht zu beweisen, denn irgendwie reicht’s doch, dass das Gegenteil bis heute noch keiner hinbekommen hat. Denn es gibt tatsächlich keine Studie, die’s geschafft hat, nachzuweisen, dass Nikotin alleine abhängig macht. Denn wär da wirklich so viel mit “Suchtpotenzial”, sollte das doch echt kein Problem sein. Nöpp, gibt’s aber nix. Ganz im Gegentum, es gibt sogar Studien, wo Leute Nikotin bekommen haben und am Ende ohne Probleme wieder von dem Zeug lassen konnten.

Newhouse et al.: Nicotine treatment of mild cognitive impairment: a 6-month double-blind pilot clinical trial.
Karl Fagerström: Dependence on tobacco and nicotine

5. Es gibt keine Belege dafür, dass Nikotin die Entwicklung eines Jugendlichen negativ beeinflusst.
Ganz klar, Nikotin “verändert” das Gehirn von Jugendlichen… in gewisser Weise. Und zwar, weil alles, was wir tun, unser Gehirn verändert. Egal ob Eisessen, Fahrradfahren, Colatrinken, Küssen und was so nach dem Küssen kommt.
Die wichtige Frage ist also: Ist diese Veränderung schädlich?

Und es ist recht klar, dass da schlicht kein Hinweis auf irgendeine schädliche Veränderung ist. Die Studien, die behaupten, sie hätten da was gefunden, sind entweder Machwerke mit Tierversuchen, die haben mit Menschen erst mal nix zu tun, oder sind sogar nur reine Gedankenexperimente.
Man kennt mittlerweile viele fiese Folgen des Rauchens, wie Krebs, COPD, Herzklabaster… Nur gehört eine Sache definitiv nicht dazu: Verblödung. Und sehr viele Raucher haben schon als Jugendliche mit dem Qualmen angefangen, das wäre mittlerweile aufgefallen. Glaub mir.

Selbst wenn es also eine Epidemie unter den kleinen Rotzlöffeln geben würde, und die gibt’s ja noch nicht mal, dann hätten wir immer noch kein echtes Problem, denn passieren würde den Kiddies… öhm… nix. Sie würden einfach nur etwas machen, was Erwachsene moralisch irgendwie für nicht so dolle halten. Aber die kleinen Gehirnchen von denen dürften von Instagram und Co. weit mehr geschädigt werden, als durch das Nikotin aus der Dampfe.

Dampfe.info: Info für Eltern

6. Jugendliche werden durch Dampfen nicht zum Rauchen verleitet.
Ist ja irgendwie schon logisch, dass keiner, der mal’n leckeres saftiges Steak probiert hat, plötzlich Lust auf gegrillte Schuhsole bekommt. Kann eigentlich jeder kapieren, außer man will es einfach nicht. Weil es nicht ins Konzept passt.
Mit unserem Nachwuchs lässt sich nämlich schön Panik machen. Denn, selbst wer kapiert, dass da bei der Dampfe nix mit Schädlichkeit ist, hat trotzdem Angst, dass die Kleinen durch den leckeren Nebel zur gequalmten Wolke verleitet werden.
Und das wissen natürlich auch die Feinde der leckeren Wolke.

Also fälscht… sorry… interpretiert man Studien so, wie man es gerade braucht und macht aus Korrelation einfach Kausalität. Dann reicht sogar plötzlich schon die Werbung für eine Dampfe, um aus unseren Halbstarken Kettenraucher zu machen. Aber das ist eben alles nur unseriöser Kuhdung.

Klar, man kann so wirklich hundertprozentig weder das eine noch das andere beweisen, deshalb ist diese “Gatewaytheorie” ja schon grundsätzlich absoluter Nonsens und hat mit seriöser Wissenschaft so viel zu tun, wie ein Regenwurm mit Turmspringen.

Trotzdem gibt’s eine Menge hervorragender Studien zu dem Thema, die zumindest ziemlich klar zeigen: Es gibt keine Spur von einem “Gateway” zum Rauchen.

Prof. Dr. Heino Stöver et a.: Der Konsum von elektronischen Dampferzeugnissen (eDe) unter Jugendlichen (PDF)
Linda Bauld et al.: Young People’s Use of E-Cigarettes across the United Kingdom: Findings from Five Surveys 2015–2017

7. Es gibt keine Belege dafür, dass Dampfen ernsthaft schädlich ist.
Klar, kann man kaum beweisen, dass etwas harmlos ist. Das wär eben so, als wollte ich beweisen, dass es im Bodensee keine Piranhas gibt. Kannst du haken, geht nicht. Ein “kann man nicht ausschließen” bleibt immer, bevor man nicht das komplette Wasser aus dem Tümpel lässt… und den Schlamm komplett durchwühlt.

Trotzdem darf jeder getrost davon ausgehen, dass das doch ein recht übersichtliches Risiko ist, im Bodensee von einem Rudel Piranhas verspeist zu werden.
Keiner käme auf die Idee, das Baden zu verbieten, weil irgendein durchgeknallter Feind des öffentlichen Wasserplanschens laut brüllt, da könnten Horden von gefräßigen Kiemenatmern im Nass lauern. Der müsste da schon irgendwie einigermaßen handfeste Beweise vorlegen.
Und bis er das macht, würden alle weiter ruhig im Bodensee paddeln und nicht einen Gedanken an Piranhas verschwenden. Wär ja auch Unsinn.

Warum ist das beim Dampfen eigentlich anders? Ich meine, wir wissen, was im Nebel drin ist und dass das alles harmloses Zeug ist. Seit Jahrzehnten werden Horden von Leuten in Disconebel gehüllt, ohne dass was schlimmes passiert ist. Das ganze Nikotinzeug aus der Apotheke gilt als sicher und echt gute Studien belegen, dass Nikotin auch im Snus keine Probleme macht. Es gibt also nicht den kleinsten Grund, davon auszugehen, dass da Piranhas im Nebel sind.
Zumindest solange, bis einer was handfestes auf den Tisch legt und das Gegenteil beweist.

Und das kann eben keiner. Da werden Zellen mit Liquid oder Aromen überschüttet… mit so einem Unsinn könnte man sogar beweisen, dass Ketchup doof macht… und kleine Nagetiere mit unrealistisch großen Mengen Nikotin gequält, nur damit man irgendwas findet. Aber was seriöses, handfestes, ein echter Hinweis darauf, dass Dampfen ernsthaft schadet? Fehlanzeige.
Und deshalb haben die Wolkenhasser den Spieß umgedreht und fordern von den Dampfern, dass die den ganzen Bodensee leerpumpen… und den Schlamm durchwühlen. Bis dahin gibt’s Badeverbot, man kann ja nie ausschließen…

Riccardo Polosa et al.: Health impact of E-cigarettes: a prospective 3.5-year study of regular daily users who have never smoked (PDF)
Phillips B. et al.: Toxicity of the main electronic cigarette components, propylene glycol, glycerin, and nicotine, in Sprague-Dawley rats in a 90-day OECD inhalation study complemented by molecular endpoints.
EurekAlert: No adverse health impacts from long term vaping — Study
Riccardo Polosa et al.: Health effects in COPD smokers who switch to electronic cigarettes: a retrospective-prospective 3-year follow-up
Albert D. Osei et al.: Association Between E-Cigarette Use and Cardiovascular Disease Among Never and Current Combustible-Cigarette Smokers
Mauro Scungio et al.: Measurements of electronic cigarette-generated particles for the evaluation of lung cancer risk of active and passive users
Hansson J. et al.: Use of snus and risk for cardiovascular disease: results from the Swedish Twin Registry.
Catherine L. Ford et al.: Nicotine Replacement Therapy and Cardiovascular Disease
Cooper S. et al.: The SNAP trial: a randomised placebo-controlled trial of nicotine replacement therapy in pregnancy–clinical effectiveness and safety until 2 years after delivery, with economic evaluation.
Waldum H.L. et al.: Long-term effects of inhaled nicotine.