Liquidsteuer: Händlerverband reicht Verfassungsbeschwerde ein

Ab dem 01. Juli 2022 gilt auf alle Flüssigkeiten, die für den Gebrauch in E-Zigaretten bestimmt sind, eine Tabaksteuer von 0,16€ je Milliliter. In den folgenden Jahren wird diese zudem schrittweise auf 0,32€ je Milliliter angehoben. Alle relevanten Informationen zur Besteuerung findet man auf e-Dampfen.info.

Gegen diese sogenannte Liquidsteuer hat der Händlerverband “Bündnis für Tabakfreien Genuss” (BfTG) nun beim Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. Für die Einführung der Steuer hat das allerdings keine Relevanz. Das BVG wird voraussichtlich erst 2023 entscheiden, ob die Beschwerde angenommen wird und es zu einer Verhandlung kommt.

Die E-Zigarette ist erwiesenermaßen deutlich weniger schädlich als Tabakzigaretten. Laut einer Studie des renommierten britischen “Royal College of Physicians” um mindestens 95%. Der Nebel einer E-Zigarette enthält 98 bis 100% weniger Schadstoffe, als der Rauch einer Zigarette.
Dennoch werden Flüssigkeiten für E-Zigaretten durch die neue Steuer ähnlich hoch besteuert wie Tabak.

Das könnte Raucher vom Umstieg abhalten. Oder Dampfer sogar wieder zur Zigarette treiben. Der dpa gegenüber warnte Dustin Dahlmann, Vorsitzender des BfTG: “Die gesundheitspolitische Lenkungswirkung der Steuer ginge in die falsche Richtung: Die Raucher blieben beim extrem schädlichen Tabak, anstatt auf die wesentlich schadstoffärmeren Liquids zu wechseln.”

Ein Problem der Steuer sieht Dahlmann zudem darin, dass auch Bestandteile des Liquids besteuert werden, die kein Nikotin enthalten. Über 95% eines Liquids bestehen auf Grundstoffen wie Propylenglykol, Glycerin, Wasser und Lebensmittelaromen. Diese können auch nach der Einführung der Steuer weiterhin unter anderem in Apotheken oder im Handel für Lebensmittelaromen legal steuerfrei gekauft werden.
Das ist natürlich für Händler von E-Zigaretten ein eklatanter Wettbewerbsnachteil und gefährdet wirtschaftliche Existenzen. Dahlmann gibt daher zu bedenken: “Die E-Zigaretten-Nutzer könnten versucht sein, sich diese Bestandteile billig zu kaufen und dann selbst zu mischen.”

Die Verwendung von unversteuerten Bestandteilen in E-Zigaretten wird zwar ab dem 01. Juli illegal. Faktisch wird dies aber nicht zu kontrollieren sein. Dahlmann befürchtet daher, dass die Steuer immer mehr Dampfer dazu bringt, das eigene Liquid illegal selber zu Mischen.

Aus dem Bundestag kommen zur Verfassungsbeschwerde wenig substanzielle Reaktionen. Sascha Müller von den Grünen äußert sich gegenüber der dpa vorsichtig zustimmend. Er räumt ein, dass die Besteuerung etwas zu hoch angesetzt worden sei. Es müsse sich deutlicher widerspiegeln, dass die E-Zigarette erwiesenermaßen weniger schädlich als die Tabakzigarette ist.
Wie zu erwarten war, hält Michael Schrodi von der SPD nicht viel von den Argumenten des Händlerverbandes. Für ihn steht die Bekämpfung des Dampfens im Vordergrund. Laut ihm sollen die Menschen durch die Steuer zu einem Leben ohne Rauchen oder Dampfen motiviert werden.
Als weiteres Argument führte Schrodi an, dass durch die Höhe der Steuer Jugendliche davon abgehalten werden sollen, mit dem Dampfen anzufangen.
Offensichtlich billigt er dem deutschen Jugendschutzgesetz nur wenig Relevanz zu. Denn durch dieses ist Jugendlichen bereits seit Jahren der Erwerb und die Benutzung von E-Zigaretten untersagt.
Schrodi ignoriert zudem die Tatsache, dass in Deutschland laut DEBRA-Studie so gut wie kein Jugendlicher E-Zigaretten nutzt. Sie dient fast ausschließlich Rauchern dazu, mit dem Rauchen aufzuhören.
Der Abgeordnete ist zuversichtlich, dass das Bundesverfassungsgericht “zu dem Ergebnis kommen wird, dass der Gesetzgeber hier eine sinnvolle und vertretbare Abwägung vorgenommen hat.”

Dustin Dahlmann zeigt sich mit Blick auf Italien hingegen optimistisch, was den Erfolg der Verfassungsbeschwerde angeht. Das dortige Verfassungsgericht hatte eine starke Steuererhöhung auf E-Zigaretten vor einigen Jahren für verfassungswidrig erklärt. “Wir sind guter Dinge, dass unsere Argumente auch von Deutschlands Verfassungsgericht nachvollzogen werden können.” Dahlmann hofft darauf, dass das Gericht die Politik auffordert, das Gesetz zu ändern und die Steuer abzuschwächen oder ganz wegfallen zu lassen.


Meldung der dpa in der FAZ: Wegen Extra-Steuer: E-Zigarettenbranche zieht vor Gericht

Weitere Studie belegt: E-Zigarette erfolgreicher als Nikotinersatzprodukte beim Rauchstopp

In einer aktuellen deutschen Studie wurden Raucher und Exraucher betrachtet, die in den vergangenen 12 Monaten mindestens einmal den Versuch unternommen hatten, mit dem Rauchen aufzuhören. Dafür untersuchte man die Ergebnisse repräsentativer Umfragen der deutschen Bevölkerung aus den Jahren 2016 bis 2021. Die Ergebnisse waren eindeutig.

Im Gegensatz zu Rauchern, die keine Hilfsmittel benutzten, erhöhte die E-Zigarette (mit und ohne Nikotin) die Chance auf einen erfolgreichen Rauchstopp um fast 80%. Viel interessanter dürfte jedoch sein, dass E-Zigaretten auch deutlich besser halfen als Nikotinersatzprodukte.
Betrachtet man alle E-Zigaretten, unabhängig vom Nikotingehalt, kamen mit ihr fast 50% mehr Menschen von der Zigarette weg, als mit Nikotinkaugummis und Co.
Schaut man allein auf die E-Zigaretten mit Nikotin, halfen diese sogar mehr als doppelt so effektiv beim Rauchstopp als Produkte aus der Apotheke.

Und selbst E-Zigaretten ohne Nikotin waren immer noch fast 50% erfolgreicher beim Rauchstopp, als der Versuch ohne Hilfsmittel.

Im Lichte dieser Erkenntnisse erscheint es um so verheerender, dass der deutsche Staat auf Liquids für E-Zigaretten ab Mitte diesen Jahres Steuern erhebt. Hingegen werden die weitaus weniger erfolgreichen Alternativen wie Nikotinkaugummis und Nikotinpflaster demnächst sogar von den Krankenkassen bezahlt.


Daniel Kotz et al.: The Effectiveness of E-Cigarettes for Smoking Cessation-a Comparison With Nicotine Replacement Therapy and No Use of Evidence-Based Cessation Aids in the German Population

Wichtige Infos zur Liquidsteuer auf e-Dampfen.info

Hört auf, die Suppe zu bunkern

Bunkert lieber die Gewürze.

In letzter Zeit sehe ich immer öfter in den sozialen Medien Bilder von Literkanistern an Propylenglykol und Glycerin. Wie Jagdtrophäen aufgereiht und stolz präsentiert. Oft dann mit der Bemerkung, dass man jetzt für Jahre sicher ist. Die Suppe ist da und reicht für die Ewigkeit. Vielleicht sind sogar noch ein paar Lastwagenladungen unterwegs, damit man auch ganz sicher bis zum Sanktnimmerleinstag ausgesorgt hat. Bunkern bis der Arzt kommt. Oder besser gesagt, der Psychiater.

Denn warum zur Hölle bunkert ihr Propylenglykol und Glycerin? Einfach keine Ahnung? Den letzten Schuss nicht gehört? Oder nur die Nummer “sicher ist sicher”? Man kann ja nie wissen… Pferde, Apotheken und Vorgekautes? Ich hoffe, ihr habt auch genug Klopapier und Nudeln im Schrank.

Ich will mal der Reihe nach erklären, was passieren wird und warum das Bunkern von Propylenglykol und Glycerin absoluter Unsinn ist.

Am 1. Juli kommt die neue Steuer auf “Substitute für Tabakwaren”. Dagegen kann man nicht mehr protestieren oder irgendwelche sinnlosen Petitionen starten. Das ist Gesetz und wird so umgesetzt. Der Drops ist den Bach runter.

Durch die in Gesetzestext gestanzte Idiotie kommen ab Mitte des Jahres auf jeden Milliliter Flüssigkeit, die in einer E-Zigarette vernebelt werden soll, 16 Cent Liquidsteuer. Das gilt für Nikotin, Aromen und eben auch für Propylenglykol sowie Glycerin. Sogar für Wasser.
Ich sage es echt ungern, aber es kam, wie ich es befürchtete. Sogar, wie ich es gesagt habe. Sonst finde ich es echt juppi, wenn ich recht habe. Hier könnte ich nur noch am Strahl bereits gegessenes vornerum ausstoßen. Aber egal.

Mit der Steuer wird jetzt nicht nur ein großer Teil des Dampfermarktes über den Jordan schippern, sie zementiert die Botschaft, dass Dampfen schädlich ist. Etwas, wo “Tabaksteuer” drauf ist, das muss ja auch in etwa so tödlich sein. Warum wäre sonst Tabaksteuer drauf?!
Dass die E-Zigarette gerade dabei war, dem Tabak das Wasser abzugraben, Millionenfaches Leid und Sterben durch Rauch zu verhindern, interessiert so gut wie keinen mehr. Erst recht die Raucher nicht, die aufgrund der neuen Liquidsteuer bei der Zigarette bleiben. Und weiter ihre Gesundheit und ihr Leben riskieren.

Leider wird es auch einige Dampfer geben, die vom leckeren Nebel zurück zur stinkigen Wolke taumeln. Weil es ihnen mit der Steuer zu kompliziert oder zu teuer wird.
Andere werden sich mit den Podsystemen von der Tanke abfinden. Sind wir mal ehrlich, das sind eh schon sehr viele Dampfer. Das sind die, die es unkompliziert und einfach wollen. Die nur einen Ersatz für ihre Kippe brauchen. Eine Packung E-Zigaretten an der Tanke ziehen und fertig.

Der Selbermischer ist nur eine Minderheit in einer Minderheit einer kleinen Gruppe. Aber er ist auch derjenige, der das Dampfen im Grunde am intensivsten lebt. Denn Dampfen ist Freiheit. Also jetzt nicht dieses “Ende der Sklaverei” Freiheit oder irgendwas, wofür man bunte Fahnen schwenken müsste. Nein. Die Freiheit, Wolken so zu machen, wie man das selber am geilsten findet. Sich an lecker Zeug in die Suppe packen, was einem gerade am besten passt. Von Bockwurst mit Pommes bis zum Käsekuchen. Und das auch noch wahnsinnig günstig. So’n kleines Stückchen Freiheit eben. Nix pathetisches.

Und gerade diese Freiheit ist durch die Steuer am meisten bedroht. Theoretisch.
Wer selber mischt, der braucht dafür Zutaten. Und auch nicht gerade kleine Mengen. Denn man mischt eben keine Fläschchen mit 10 Milliliter zusammen. Viele rühren sich gleich die Flaschen mit 100 Milliliter an. Manche sogar gleich Literweise. Warum auch nicht? Ist eben praktischer.

Mischen ist sowieso recht praktisch und unkompliziert. Man braucht nicht viel verschiedenes an Zutaten. Neben dem Aroma kommen in der Regel nur noch Nikotin und die sogenannte Basis, Propylenglykol und Glycerin, in die Nebelsuppe. Keine Raketenwissenschaft.
Und es geht sogar noch einfacher. Mit sogenannten Shake and Vape Lösungen. Da ist das Aroma schon in der richtigen Menge in der passenden Flasche und oben drauf kommen nur noch Nikotin und Basis bis zum Rand. Das ist eher wie Tütensuppe machen als wie richtiges Selbermischen.

Mit der Steuer wird das alles eigentlich zu einem unbezahlbaren Hobby. Denn auf jede dieser Komponenten kommt sie oben drauf. Bei 100 Milliliter reden wir also schon über 16 Euro Steuern (plus Mehrwertsteuer). Für etwas, was vorher vielleicht zehn Euro gekostet hat. Mal fix mehr als eine Verdoppelung.
Wer so richtig selber mischt, für den wird’s noch heftiger. Propylenglykol und Glycerin kauft man sich in Literflaschen. Eben die sogenannte Basis. So ein Liter Basis ist aktuell für um die zehn Euro zu haben. Nach Einführung der Liquidsteuer werden daraus mindestens 170 Euro.

Das kann sich natürlich keiner mehr leisten. Eigentlich. Theoretisch.

Denn Propylenglykol und Glycerin sind zwei Stöffchen, die brauchen nicht nur Dampfer. Die wurden auch schon vor der E-Zigarette für alles Mögliche verwendet. Für zum Beispiel Mundwasser, Medikamente, Kosmetikartikel, Kaugummi, Aromen oder die Pferdezucht. Das ist immer noch so.
Und wenn unsere Basissuppe nicht für das Dampfen bestimmt ist, wird auch in Zukunft keine Steuer fällig.
Das wird ab Juli also zu dem Irrsinn führen, dass eine Literflasche Propylenglykol im Dampferladen fast 200 Euro kosten müsste. Während die gleiche Menge in der Apotheke nebenan oder im Lebensmittelaromenshop im Netz weiterhin so um die zehn Euro kostet. Ganz legal.

Illegal wir es erst, wenn der Selbermischer im stillen Kämmerchen unversteuerte Zutaten in seine Dampfe packt. Das ist dann laut Gesetz ein Steuervergehen. Allerdings eins, das faktisch keiner beweisen kann. Ist eben ein unglaublich miserabel geklöppeltes Gesetz. Und eine eigene Geschichte.

Fakt ist, an die Basissuppe kommst du immer günstig ran. Auch nach Einführung der Liquidsteuer. Nur halt eben nicht im Dampferladen. Aber zum Beispiel in der Apotheke oder in Fachgeschäften für Lebensmittelaromen oder -zusätze. Das Zeug brauch man nämlich auch für so leckere Sachen wie Speiseeis. Und manch einer bestellt sich sein Glycerin jetzt schon im Pferdezubehörhandel. Wichtig ist nur, dass es sich um pharmazeutische Qualität handelt, dann ist die Quelle im Grunde wurscht.

Und nein, Propylenglykol und Glycerin werden auch in Zukunft nicht vergällt oder so ein Unsinn. Das ist technisch schon nicht zu leisten. Zu viel von dem Zeug landet nämlich, wie erwähnt, in Lebensmitteln, Tierfutter, Kaugummis und Medikamenten. Der Verwaltungsaufwand für die Unternehmen wäre gigantisch.

Das einzige, bei dem Bunkern Sinn ergibt, ist Nikotin. Denn dass wird es auch nach Einführung der Steuer nur in Dampferläden und nur mit Liquidsteuer geben. Vielleicht wird es zudem das ein oder andere Dampfaroma aufgrund der Steuer nicht mehr geben. Da kann man sich gerne einen Vorrat anlegen.

Aber Propylenglykol und Glycerin zu horten ist nicht nötig.
Wenn du dich damit besser fühlst… mach, was dir gut tut. Aber poste nicht auch noch Fotos von deinen “Errungenschaften” bei Facebook und Co. Das verunsichert nur andere und verbreitet Panik. In einer Zeit, in der wir genau das Gegenteil von Panik brauchen.

Alle wichtigen Infos zum Thema Liquidsteuer findest du übrigens in diesem Artikel auf e-Dampfen.info.

Finanzamt: Liquidsteuer auch auf Basis und Aromen

Wie Vapers.guru heute berichtet, bestätigte das Finanzministerium dem Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) am vergangenen Donnerstag, dass die mit dem Tabaksteuermodernisierungsgesetz eingeführte Liquidsteuer auch auf Aromen, Shortfills und reines Propylenglykol sowie Glycerin erhoben werden wird.

Vertreter des Finanzministeriums und der Generalzolldirektion wiesen den Händlerverband in einer Sitzung darauf hin, dass nicht nur alles besteuert werden soll, was zur Nutzung in einer E-Zigarette gedacht ist. Auch Versuche, die Steuer zu umgehen, sollen konsequent unterbunden werden.
Nach Inkrafttreten der Steuer würde jeder Versuch der Umgehung bereits eine Steuerstraftat darstellen. Schon wenn ein E-Zigarettenhändler Glycerin von einem Hersteller erwirbt, würde die Steuer laut Ministerium fällig, da dem Hersteller der Verwendungszweck klar sein müsse.

Das Ministerium begründete seine Sichtweise vor allem mit dem Umstand, dass der Gesetzgeber eindeutig eine volumenbasierte Besteuerung vorgesehen habe. Zudem würden bereits alle Einzelkomponenten von E-Zigaretten unter das Tabakerzeugnisgesetz fallen.

Das BfTG hatte direkt nach der Verabschiedung des Tabaksteuermodernisierungsgesetzes einen Gang vor das Bundesverfassungsgericht angekündigt. Allerdings ist eine Verfassungsbeschwerde ein langwieriger Prozess. Bis zu einer endgültigen Klärung können Jahre vergehen.
Für einige Unternehmen, besonders kleinere, wird das zu spät sein. Zwar sollen die Steuerbanderolen in Bögen ausgegeben werden und somit würde die Anschaffung teurer Anlagen entfallen. Dennoch muss ein Hersteller für die Produktion von z.B. 1000 Shortfills zu je 100ml Inhalt mit 32.000 Euro in Vorleistung gehen. Das werden viele Hersteller kaum stemmen können.

Damit steht fest, dass ein Dampfer ab Mitte 2022 für einen Shortfill (100ml) 16,- Euro und für einen Liter sogenannter Basis (Propylenglykol/Glycerin) 160,- Euro an Liquidsteuer entrichten muss.
Ab 2026 werden dann sogar 32,- bzw 320,- Euro fällig, da der Steuersatz in den nächsten Jahren stufenweise von 16 auf 32 Cent je Milliliter Flüssigkeit angehoben wird.

Nicht ändern wird sich, dass Aromen, Propylenglykol und Glycerin ohne Angabe einer Zweckbestimmung auch zukünftig Steuerfrei verkauft werden dürfen. Nur eben nicht mehr in Dampfershops.


Vapers.guru: Liquidsteuer – Finanzamt bestätigt: Alles wird besteuert

Die Liquidsteuer kommt – Soll ich jetzt bunkern?

Die Bundesregierung hat mit ihrer Mehrheit im Bundestag das Tabaksteuermodernisierungsgesetz verabschiedet. Es enthält faktisch eine Liquidsteuer. Mit schwerwiegenden Folgen für Dampfer und Raucher, die umsteigen wollen. Für die Dampfer stellt sich jetzt natürlich wieder die Frage nach dem Bunkern. Lohnt es sich, zu bunkern? Wenn ja, was? Gehen wir das Thema mal im Detail an.

Was wird besteuert?

Vereinfacht gesagt, werden alle Flüssigkeiten besteuert, die dafür gedacht sind, dass man sie dampft. Und man muss sie natürlich auch grundsätzlich dampfen können. Aromen zum Beispiel kann man nicht dampfen… Das wäre zumindest extrem übel.

Aber Propylenglykol, Glycerin und natürlich fertige Liquids fallen alle unter diese Definition. Sehr wahrscheinlich auch sogenannte Shortfill, in die man nur noch ein oder zwei Nikotinshots reinpackt.

Überhaupt ist wichtig: Es spielt für die Steuer keine Rolle mehr, ob irgendwo Nikotin drin ist oder nicht.

Wann kommt die Steuer?

Die erste Stufe der Steuer tritt am 01. Juli 2022 in Kraft. Ab dann muss auf jeden Milliliter dampfbare Flüssigkeit 0,16€ Steuern abgedrückt werden. Zwei Jahre später, am ersten Januar 2024, wird die Steuer auf 0,20€, ein weiteres Jahr später dann auf 0,26€ erhöht. Die letzte Stufe tritt schließlich 2026 in Kraft. Ab dann beträgt die Steuer 0,32€ für den Milliliter Wolkentonikum.

Eilt nicht

Grundsätzlich ist also noch massig Zeit, über ein Jahr, bis überhaupt was passiert. Hektik ist nicht nur schlecht für die Pumpe, sondern hier auch völlig überflüssig. Wenigstens bis Anfang 2022 kann man noch getrost warten.

Aber macht Bunkern denn überhaupt Sinn? Einfache Antwort: Kommt drauf an. Wir müssen drei Sachen getrennt voneinander betrachten.

Muss ich Propylenglykol und Glycerin (sog. Basis) bunkern?

Klare Antwort: Nein. Besteuert werden sowohl Propylenglykol (PG) als auch Glycerin (VG) nur, wenn sie in der E-Zigarette landen sollen. Die beiden Stöffchen werden aber z.B. auch im Lebensmittelbereich, in der Kosmetik, der Pharmazeutik und sogar in der Pferdezucht verwendet. Und da kommt dann auch keine Steuer drauf.

Es ist vielleicht ein bisschen teurer als im Dampfshop, aber PG und VG gibt’s auch jetzt schon in der Apotheke. Oder man guckt sich da um, wo es Eisaromen gibt. Es sollte allerdings in jedem Fall pharmazeutische Qualität sein.

Nur im Dampfshop wird es die beiden Wolkenmacher und Geschmacksträger recht sicher nicht mehr geben. Kein Händler wird von seinen Kunden für eine Flasche Basis ernsthaft über 160 Öcken verlangen. Und das dann im Voraus auch noch an den Fiskus abdrücken. Echt jetzt, so blöd wird keiner sein. Das würden die meisten Läden schon finanziell nicht packen.

Aber viele Läden überleben die Steuer eh nicht… dazu nachher mehr.

Wie sieht’s mit Nikotin aus?

Bei Nikotin könnte Bunkern schon am ehesten Sinn machen. Kriegt man einen Nikotinshot (10ml) jetzt noch für so etwa einen Euro, werden das ab nächstem Jahr mindestens drei sein, 1,60€ davon Steuern. Ab 2026 reden wir dann über etwa fünf Euro pro Fläschchen, wenn die Steuer bei 3,20€ liegt.

Für die meisten Liquids werden so ein bis zwei Shots gebraucht, also würde z.B. ein Shortfill durch die “Nikotinwürze” am Ende etwa bis zu zehn Euro teurer. Nicht die Welt aber auch alles andere als wenig. Allerdings kann man davon ausgehen, dass es nach der Steuereinführung eh keine Shortfills mehr geben wird. Die Teile werden durch die Steuer nämlich mal heftig teurer.

Aktuell kostet so ein Shortfill irgendwas zwischen 10 und 30 Euro. Gehen wir mal von 100ml Liquid aus, das man am Ende raus kriegt. Dann reden wir ab nächstem Jahrt von 16€ Steuern und ab 2026 gar über 32€. Durch die Steuer werden diese Shortfills also mehr als doppelt so teuer. Auf das überdosierte Liquid selber (gehen wir mal von 60ml aus) entfallen dabei knapp 10€ (später dann etwas über 19€).

Das Nikotin ist hier also eher der kleinere Preistreiber. Aber es wird ganz klar am Ende etwa fünf Mal teurer sein als heute. Durchaus ein Grund zum Bunkern. Vor allem, da sich Nikotinshots (vernünftig gelagert) fast ewig halten. Am besten in Glasflaschen, dunkel und kühl.

Aber auch hier gilt: Keine Hektik.

Was ist mit Aroma?

Aromen kann man nicht so dampfen. Geht nicht. Also… geht schon. Ist dem ein oder anderen bestimmt auch schon passiert. Aber so ein Erlebnis vergisst keiner mehr.

Kurz gesagt: Auf Aromen wird auch zukünftig keine Liquidsteuer fällig. Es gibt also keinen Grund zum Bunkern.

Vieles wird verschwinden!

Außer bei Nikotin macht Bunkern somit überhaupt keinen Sinn.

Aber man sollte noch etwas anderes bedenken: Viele, vielleicht sogar die meisten, Händler und Hersteller werden die Einführung der Steuer nicht überstehen. Das heißt auch, dass viele Liquids, die Shortfills sowieso, vom Markt verschwinden werden.

Was bleiben wird, sind recht wahrscheinlich Nikotinshots, reine Aromen, wenige Fertigliquids in 10ml-Fläschchen und vorbefüllte Pods. Alles andere wird kaum einer am Markt halten können. Wer sich jetzt schon seine Wolkensuppe nur aus Aromen zusammenmischt, muss sich also nur um das Nikotin sorgen machen. Und der “Poddampfer” eh um nix, für den wird die Wolke nur etwas teurer.

Wer Shortfills dampft, sollte sich allerdings schon mal nach einer Alternative umschauen. Und dem Rest bleiben wohl nur noch die kleinen Fertigliquidfläschchen, die dann kaum noch günstiger sein werden als eine Schachtel Kippen.

Hoffnung?

Vielleicht werden einige findige Händler Lösungen für einige der Probleme finden. Vielleicht finden sie Wege, PG und VG auch nach der Einführung der Steuer im eigenen Laden anzubieten… nur eben nicht mehr mit dem Label “zum Dampfen”. Kann sein. Holt den Fisch aber auch nicht mehr aus dem Teich. Mit der “Basis” macht kein Shop das große Geld.

Shortfills werden verschwinden und bei Nikotinshots braucht’s keine Vielfalt. Da ist einer so gut wie der andere. Außerdem sind auch die nicht der große Rubelroller.

Am Ende gewinnen nur die Hersteller der geschlossenen Podsysteme. Also die großen Tabakkonzerne. Für sie bedeutet die Liquidsteuer ein fettes Geschenk. Denn ihre Pods werden gefühlt kaum teurer.

Das Dampfen wird bleiben. Aber es wird hauptsächlich Podsystem. Das dürfte recht sicher sein. Und wenige große werden sich den Markt aufteilen. Die Vielfalt wird verschwinden.

Wer jetzt schon dampft und wirklich in der Materie steckt, wird auch in Zukunft klar kommen. Es wird teurer und komplizierter, aber machbar.
Viele Dampfer werden die Nase voll haben oder überfordert sein und wieder zum gerollten Blätterwerk wechseln und deutlich weniger Raucher werden den Weg zur Dampfe finden.

In den Köpfen der Menschen wird sich zudem der Eindruck festsetzen, dass Dampfen ziemlich schädlich sein muss, wenn da so eine fette Steuer drauf ist. Und das war schon immer ein Hauptproblem mit einer Steuer auf Dampfkram. Es ist wie ein offizielles Zertifikat: “Dampfen ist schädlich!”

Obwohl bis heute noch keine klinische Studie gezeigt hat, dass Dampfen überhaupt ernsthaft schädlich ist. Was zukünftig noch weniger Leute interessieren wird als jetzt schon.

Fazit
  • Keine Hektik, du hast noch genug Zeit (bis Juli 2022).
  • PG und VG wird man immer zu vernünftigen Preisen bekommen, nur eben nicht mehr im Dampferladen.
  • Reine Aromen werden nicht besteuert.
  • Shortfills werden wahrscheinlich vom Markt verschwinden.
  • Viele Hersteller und Händler werden zu machen.
  • Nur bei Nikotin macht Bunkern eventuell Sinn.

Vapoon: Bundestag beschließt Liquidsteuer